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Unsere Meinung

Deshalb sollen unsere Produkte nicht im Migros-Regal stehen!

Als Bauer und Bäuerin tragen wir Sorge dafür, dass unser Schaffen und das Geschaffene seinem Sinnvollen zugeführt wird. Getreide, Gemüse, Milch, Eier und Fleisch sollen zu Essen werden für Menschen, welche anders schaffen als wir. Die Abwendung der Landwirtschaft von der genannten Sorge, hin zu Menge, zu Masse zu Überproduktion, geht einher mit der Abwendung vieler Konsumierenden, sich um eine gute und gesunde eigene Ernährung zu kümmern. Sich bedienen zu lassen von einer Industrie, welche Nahrung bereitstellt in ihrer eigenen, gewinnbringenden Strategie ist das Geschäftsmodell des derzeitigen Wirtschaftssystems. Die Bemühung und die Sorgen kritischer Konsumierenden oder Landwirte, gegen diese Strömung zu kämpfen, wird heute beispiellos vereinnahmt. An Universitäten wird über Umweltzerstörung, Landwirtschaft, Agrarchemie und Ernährungssicherheit etc. debattiert. Umwelt und Natur werden zu politischen Profilierungsthemen. Die Nahrungsmittelindustrie erweitert ihr Angebot für jene, welche ihr Gewissen beruhigen und sich trotzdem nicht weiter um die Zusammenhänge kümmern möchten. Anstelle von fairem Wertetausch werden die Preise für Label-Nahrungsmittel analog jenen der Massenproduktion gedrückt und konkurriert. Nicht die Produktionsvielfaltwächst, sondern die Strukturen der Produktion (Agrarindustrie). Die Verschiebung der Bio-Label von bäuerlichen Standards einer nachhaltigeren Landwirtschaft hin zu Marketing-Brands in grellen Werbelettern verwässert alle Bemühungen einer kritischen Bauernschaft. Wir verstehen die Ansätze der biologisch-dynamischen Landwirtschaft als eine weitgehende Form ökologischer Wirtschaftsweise. Neben bodenerhaltenden, tier- und menschengerechten Arbeitsweisen, sind direkte Vermarktung und Verarbeitung auf dem Hof Kernpunkte. Gerade weil überschaubare regionale Verarbeitungs-, Verkaufs- und Handelsstrukturen nicht oder kaum mehr vorhandensind, werden eigene neue Initiativen wieder unabdingbar. Demeterprodukte im Migros-Regal sind eine verzerrte Darstellung einer unheilvollen Entwicklung aus falschen Versprechungen und einer nicht geführten Diskussion unter den betroffenen Bäuerinnen und Bauern (das heisst nicht, dass sie nicht einer herrschenden Logik folgen). Demeterprodukte stehen in unseren Augen, neben ihrer hervorragenden Qualität, für die direkte Auseinandersetzung einer kritischen Bauernschaft mit einer kritischen Konsumentenschaft. Keine Organisation, schon gar nicht eine von der Qualität eines industriellen Nahrungsmittelkonzerns, darf diese Diskussion übernehmen und für sich selber für Marketing-Zwecke nutzbar machen. Wenn Landwirte sich zunehmend aus rein ökonomischen Überlegungen zur gross angelegten Haltung oder Produktion von Demeter-Gütern entscheiden, darf dies die Glaubwürdigkeit jener Bäuerinnen und Bauern nicht gefährden, welche sich in jahrzehntelanger, authentischer Bemühung für eine biodynamische Landwirtschaft eingesetzt haben! Wenn sie gar im Sog eines Grossverteilers ihren Vorteil suchen, handeln sie fahrlässig. Die beiden Agrarvorlagen, welche zur Abstimmung vorliegen, mögen in ihren Details auch Schwächen haben. In ihren Grundzügen sind sie jedoch unbestritten für eine lebensbejahende Zukunft und eine Erhaltung unserer Lebensgrundlagen für kommende

Generationen. Wir stimmen zwei Mal JA aus Überzeugung und werfen das Nein-Geschrei aus der Lobby-Ecke in den Güselkübel.

 

Kurt Brunner, April 2021